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Links: Hochwasser 1953. Rechts: Dammfussrutschungen 1999.

Hochwasser – eine ständige Gefahr

Natur im Ausnahmezustand

«Wenn nur die Dämme halten!» Tausende zitterten am Walensee und an der Linth im Juni 1910, nach tagelangen Regenfällen. Im September 1953 wieder die gleiche Angst. Dann 1999 ein Jahrhunderthochwasser am Linthkanal. Und schon im August 2005 erneut Hochwasser.

Mai 1999. Unbezähmbar scheinen die Naturgewalten: erst die Lawinen im Glarnerland, das Schmelzwasser der Schneemengen, und dann der Dauerregen. Die Wasserpegel steigen und steigen, die Dämme am Linthkanal sind aufs Höchste belastet.

Auffahrtsdonnerstag: Katastrophenalarm! Fiebrige Aktivität entlang des Kanals: Alle Menschen in Sicherheit bringen, das Vieh verladen und vor allem: die Dämme verstärken, das Schlimmste zu verhindern suchen. Alle Einsatzkräfte stehen unermüdlich im Einsatz, alle verfügbaren Hilfskräfte und Maschinen sind aufgeboten. Für kurze Zeit entspannt sich die Situation. Dann aber, nach weiteren Regenfällen, erreicht die Linth am Pfingstsamstag ein neues Rekordniveau. Sofort müssen sich alle Helfer zurückziehen: akute Dammbruchgefahr. Endlich, nach dem Pfingstwochenende sinken die Pegel. Grosses Aufatmen: Die Dämme haben gehalten! Und das bestehende Notfallschutzkonzept hat sich bewährt.

Im August 2005 wiederholt sich das Szenario: Heftige Regenfälle bringen Tod und Verwüstung in der Schweiz. Am Linthwerk ist wieder höchste Alarmstufe. Zwischen dem Sonntag, 21. August um Mittag, und dem frühen Dienstagmorgen steigt das Wasser am Escherkanal in Mollis um über drei Meter. Am Dienstag um 6.30 Uhr entdeckt die Feuerwehr Benken Risse im Damm des Hintergrabens unterhalb Giessen. Evakuationen werden angeordnet. Um 14.00 Uhr erreicht der Pegel am Linthkanal die Marke des Hochwasseralarms. Am Mittwoch um 6.00 Uhr steht das Wasser knapp unterhalb der Grenze zum Katastrophenwasseralarm. Aufgrund des kritischen Dammzustandes wird über längere Abschnitte des Linthkanals Katastrophenwasseralarm ausgerufen. Der interkantonale Koordinationsstab und der Werkschutz sind Tag und Nacht im Einsatz, um die Dämme zu überwachen, Notmassnahmen zu planen, Einsätze zu koordinieren. Mehrfach können nur sofortige Baumassnahmen und der Einsatz von Sandsäcken kritische Situationen an den Dämmen bewältigen. Ab Mittwochnachmittag verbessert sich die Lage. Erste Analysen zeigten, dass die Massnahmen, die nach dem Hochwasserereignis von 1999 getroffen wurden, richtig waren: An den damals verbesserten Stellen sind keine kritischen Zustände beobachtet worden.

Einmal mehr hat das Linthwerk die Ebene vor grösseren Schäden geschützt. Und als die Lage im September 2006 wieder kritisch wurde, wussten alle: Die Sanierung ist nun ganz dringend geworden!

Fast jede Generation an der Linth kennt die Furcht vor Hochwasser nicht nur vom Hörensagen, sondern aus eigener Erfahrung. Darum bleibt der Hochwasserschutz die wichtigste Aufgabe des Linthwerks.