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Projekt Hochwasserschutz Linth 2000

10 Jahre Planung – 5 Jahre Bauen

Das Projekt Hochwasserschutz Linth 2000 (Linth 2000) war die erste Gesamtsanierung des Linthwerks. Die Planungs- und Bauzeit dauerte von 1998 bis 2013. Die Gesamtkosten betrugen 127 Mio. Franken.

Viele Ansprüche an das Hochwasserschutzprojekt

Die Gesamterneuerung des Linthwerks war ein Jahrhundertwerk. Sie erfolgte nach vier Grundprinzipien:

Zeitgemässer Hochwasserschutz: Bevölkerung, Landwirtschaft, Industrie- und Gewerbebetriebe sowie Infrastrukturanlagen sind effizient vor Hochwasser zu schützen. Dabei werden die geltenden Richtlinien des Hochwasserschutzes angewandt (Vorrang von Unterhaltsmassnahmen und raumplanerischen Steuerungsinstrumenten vor baulichen Eingriffen; Differenzierung der Schutzziele).

Ökologische Optimierung: Gemäss Gesetzesauftrag ist eine weitreichende ökologische Aufwertung zu erzielen. Dem natürlichen Raumbedarf der Gewässer wird – u.a. durch Ausscheidung naturnaher Ufersäume – Rechnung getragen. Dies ist auch aus Sicht des Hochwasserschutzes sinnvoll: Räumlich grosszügige, naturverträglichere Lösungen ergeben ein robusteres Hochwasserschutzsystem, das auch Unschärfen bei der Bemessung der Anlagen aufzufangen vermag.

Partizipation: Das Erneuerungswerk berücksichtigt nach Möglichkeit alle Interessen. Von Beginn an setzte man deshalb auf einen partizipativen Planungsprozess. Neben den Landwirten als stark betroffene Gruppe wurden die Naturschutz-Organisationen und die Standortgemeinden eingebunden. Auch der Aspekt der Denkmalpflege wurde mit dem Bund und den Kantonen betrachtet – eine Besonderheit beim Linthwerk.

Erhaltung des Gestaltungsspielraums: Die Nutzung der Linthebene befindet sich in einem steten Wandel. So stellte sich die Frage nach dem künftigen Stellenwert der regionalen Landwirtschaft. Mit Hochwasserschutz Linth 2000 sollten spätere Revitalisierungen genau so möglich bleiben wie eine Intensivierung der Landwirtschaft.

Planung aufgrund von Analysen, Berechnungen und Simulationen

1998 gab die Linthkommission eine Studie für einen neuen Hochwasserschutz am Linthwerk in Auftrag. Beim Hochwasser im Mai 1999 (100-jährliches Ereignis am Linthkanal) bestätigte sich die Notwendigkeit einer Gesamtsanierung.

Mit wissenschaftlichen Mitteln und modernster Technik wurden die Dämme geprüft, das künftig zu erwartende Wasseraufkommen im Escher- und Linthkanal hochgerechnet, Fauna und Flora der Linthebene analysiert, das Verhalten des Wassers innerhalb der Flussrinnen und die möglichen Überflutungen per Computer simuliert. Die Ergebnisse flossen in die Planung und das definitive Sanierungsprojekt ein. 2005 wurde es in den Linthgemeinden öffentlich aufgelegt, aufgeteilt in die Teilprojekte Escherkanal und Linthkanal.

Bei der freiwilligen Vernehmlassung 2004 war dem Vorprojekt Hochwasserschutz Linth 2000 heftige Opposition erwachsen: mit politischen Vorstössen in Kantonsparlamenten und beim Bund, in zahlreichen öffentlich geführten Kontroversen, zum Beispiel um Landwirtschaftsland, ökologische Ausgleichsmassnahmen und Kosten. Alle aufgeworfenen Fragen und Forderungen wurden geprüft und beantwortet. Weitere Planungen ausserhalb des Linthwerks wurden initiiert, mitgetragen und mitfinanziert (Landwirtschaftliche Planung Benken Plus, Entwicklungskonzept Linthebene EKL). Mitwirkungen, Opposition und Vorprüfungen führten zum optimierten Auflageprojekt.

Die öffentliche Auflage der Teilprojekte Escherkanal und Linthkanal brachte trotz der Bemühungen um den Interessenausgleich 134 Einsprachen. Weitere Nachbesserungen erfolgten zugunsten der Ökologie, der Landwirtschaft und der Sicherheit (z.B. steuerbares Wehr für den Überlastfall am Linthkanal). Nach den Hochwassern im August 2005 wurde das ganze Projekt von der ETH Zürich überprüft. Im Juni 2007 erhielt das nochmals optimierte Projekt Hochwasserschutz Linth 2000 die Baubewilligung.

Gegen das Projekt wurden vor den Verwaltungsgerichten (Glarus, St. Gallen) und vor Bundesgericht (Teilprojekt Linthkanal) Beschwerden geführt. Alle rechtlichen Entscheide gingen 2008 zu Gunsten der erteilten Baubewilligungen aus.

Von 2008 – 2013: Die längste Wasserbaustelle der Schweiz

Der Spatenstich zur Sanierung des Linthwerks fand am 25. September 2008 bei Mollis statt – im gleichen Abschnitt, wo der Bau des heutigen Escher- und damaligen Molliserkanals vor 200 Jahren begann. Nach zehn Jahren Planung, Mitwirkung, Finanzierung, Bewilligung, Landerwerb, Detailplanung, Ausschreibung und Vergabung war der Baustart eine Befreiung.

Nach langwierigen Erschliessungen der Baustellen und dem Erstellen von Mustern gewann man immer mehr Sicherheit bei den verschiedenen Tätigkeiten. Eine straffe Führung, rasche Entscheidungen und die Glaubwürdigkeit der Informationen trugen zur Akzeptanz des Projekts bei. Die Natur nahm wie vorgesehen die ihr zugedachten Räume am neuen Linthwerk rasch in Besitz. Weder Hochwasser noch schwere Unfälle beeinträchtigten die Bauarbeiten. Die Bauphase konnte zeit- und budgetgerecht realisiert werden. Das Projekt Hochwasserschutz Linth 2000 kostete insgesamt rund 127 Mio. Franken.