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Symposium Projekt Hochwasserschutz Linth 2000:

Expertenwissen der Linthwerk-Sanierung bereits greifbar

Rund 180 Fachleute trafen sich am 6./7. Juni an der Hochschule Rapperswil zum Symposium über die Sanierung des Linthwerks. Neben 25 Referaten aus verschiedensten Fachrichtungen zum komplexen Grossprojekt fanden Exkursionen statt. Zur Tagung wurde auch ein Fachbuch publiziert.

Dass Hochwasserschutz in der Schweiz derzeit ein hoch aktuelles Thema ist, zeigt das grosse Interesse der Fachwelt am Symposium zum Linthwerk. Nicht weniger als 180 Ingenieure, Ökologen, Wasserbauexperten, aber auch Planer, Behördenvertreter und Politiker nahmen an der 2-tägigen Veranstaltung in der Hochschule in Rapperswil teil. Die hohe Besucherzahl überrascht nicht, denn das Linthwerk hatte bei der kürzlich abgeschlossenen Sanierung – genauso wie bei seinem Bau im 19. Jahrhundert – wieder eine Pionierrolle inne: Es ist das erste grosse Hochwasserschutzprojekt, das nach dem neuen Bundesgesetz über den Wasserbau «rasch und erfolgreich umgesetzt wurde», wie Regierungsrat Willi Haag, Präsident der Linthkommission, in seiner Begrüssungsansprache festhielt.

Projekt als interdisziplinäres Gesamtwerk

Die heute geltende Gesetzgebung verlangt von Hochwasserschutzbauten mehr als Gefahrenabwehr. So müssen diese Infrastrukturanlagen unter anderem mögliche Risiken berücksichtigen und ökologisch nachhaltig sein. Das Linthwerk-Projekt war darum ein interdisziplinäres Gesamtwerk von Bauexperten, Ingenieuren und Fachleuten aus Raumplanung, Hydrologie und Umweltschutz bis hin zur Archäologie. Am Symposium kamen auch die historischen, politischen und sozialen Dimensionen der Linthwerk-Sanierung ausführlich zu Wort. Aus erster Hand war zu erfahren, wie man im Spannungsfeld von Sicherheitsanforderungen und landwirtschaftlicher Nutzung agierte, wie die Partizipation von verschiedenen Umweltorganisationen erfolgte oder wie die Bevölkerung über die Geschehnisse während der Planungs- und Bauzeit informiert wurde. Die Bauleitung gab Einblick in die komplexen Bauvorgänge, die Herausforderungen beim Bauen am fliessenden Wasser, die Anwendung neuster Vermessungstechniken und die ökologisch sinnvolle Materialbewirtschaftung. Auch das Management der Grossbaustellen und die Kostenkontrolle während der fünfjährigen Bauzeit wurden thematisiert. Und schliesslich referierten mehrere Fachleute über die weiter laufenden Aufgaben des Linthwerks: Erfolgskontrolle des Projekts, Überwachung und Unterhalt der Bauwerke, speziell bei auch bei Hochwasser, Monitoring verschiedener Entwicklungen in Flora und Fauna.

Anschauungsunterricht vor Ort

Eine hervorragende Ergänzung zu den Vorträgen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und praktischen Erfahrungen aus dem Projekt bildeten die geführten Exkursionen an die Schlüsselstellen des neuen Linthwerks. Im Chli Gäsitschachen am Escherkanal erlebten die Symposiumsteilnehmenden die bereits gut sichtbaren Wirkungen der Glarner Linth, die hier in einer Aufweitung wieder ein gleich breites Flussbett erhalten hat wie vor der Linthkorrektion durch Hans Konrad Escher. Besonders eindrücklich sind die dynamische Entwicklung des geschiebehaltigen Flusslaufs, die Rückkehr einer natürlichen Ufer- und Riedvegetation und die Waldentwicklung im neu ausgeschiedenen Waldreservat bis zum Gäsi am Walensee.

Bei der Aufweitung Hänggelgiessen am Linthkanal lag das Hauptaugenmerk der Exkursion auf den technischen Massnahmen zur Hochwasserentlastung mit dem regulierbaren Wehr und auf dem Wilddurchlass und seinen Möglichkeiten zur Vernetzung der Wildtiere vom Benkner Büchel bis zum Voralpengebiet. Die benachbarten Tümpel haben sich bereits zu neuen Lebensräumen für Amphibien entwickelt und in der Aufweitung sind erfreulicherweise viele Jungfische festzustellen.

Beim Benkersteg, der dritten Exkursionsstation, lässt sich das hydraulische System des Linthwerks mit den drei Ebenen Linthkanal, Hintergraben und F-Kanal am besten erfassen. Themen hier waren die Entwässerungssysteme, die Methoden der Dammverlegung und Dammsanierung und die Flachufergestaltungen. Auch hier ging es um ökologisch bedeutsame Lebensräume für bedrohte oder seltene Lebewesen.

Fachpublikation erschienen

Nur wenige Wochen nach dem offiziellen Abschluss des Projekts Hochwasserschutz Linth 2000 und der Eröffnung des Linthkanals am 27. April 2013 liegt bereits eine gedruckte Bilanz der 15-jährigen Planungs- und Bauzeit vor. Die 412 Seiten starke Fachpublikation enthält alle Referate des Symposiums und 10 weitere Beiträge zu speziellen Themen wie Vegetationsentwicklung, Geschiebehaushalt am Escherkanal, Zwischenbilanz der Umweltverbände, Besucherlenkung, Sicht der Fischer und der Projektgegner. Der Band mit CD aller Referate kann hier bestellt werden. Preis: 48 Franken.

 

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Rund 180 Fachleute interessieren sich für die vielfältigen Themen rund um das Projekt Hochwasserschutz Linth 2000.

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Prof. Dr. Jürg Speerli, HSR Hochschule für Technik Rapperswil, referiert zu «Eschers Werk und seine Konsequenzen für das Projekt».

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Emeritierter Prof. Dr. Hans-Erwin Minor, Experte der Linthkommission, skizziert das Thema «Linthwerk – wie weiter?».

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Urs Nigg, Bundesamt für Umwelt BAFU, nutzt die Fragerunde.

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Markus Jud, Linthingenieur, referiert über die Herausforderungen einer Grossbaustelle aus Sicht des Bauherrn.


11.06.13 / Pressestelle Linthwerk, Lachen